Reinschrift – Band 2 (Kölner Anthologie)

Eine Zirkusschlange. Ein dramatischer Baggerunfall. Ein Kundenberater in der Mülltonne. Ein Besuch bei Adam und Eva. Ein Gastspiel der Melancholie. Die wahre Genesis. Ein Telefonat in die Zukunft. Die Zeichnung eines Mörders. Eine Echtbleibreform. Ein Nixentanz vor verbotener Tür. Eine 13-Welten-Theorie als Zwiebelmodell. Eine Ü-30-Party …

… und vieles mehr findet sich in dieser Anthologie mit Erzählungen und Gedichten Kölner Autor(inn)en.

Vorwort von Lucien Deprijck


Kölns Literaturszene ist lebendig. Wie könnte es anders sein in einer Stadt, die sich Lebendigkeit sozusagen auf die Fahnen geschrieben hat und auf ganz verschiedenen Ebenen pulsiert. Wer Literarisches erleben will, der sucht allerorten – und so auch in Köln – gewöhnlich die großen Bühnen. Denn welcher literarisch Interessierte wird nicht angezogen von bekannten Namen, von Autorinnen und Autoren der großen Verlage, die von sich reden machen?
Doch wie überall gibt es auch in Köln die »kleine« Literaturszene
im Verborgenen, an der Basis, in Lokalen und auf Hinterhof-Bühnen. Und wer sich die Mühe macht, dorthin vorzudringen, der erlebt mitunter Überraschungen. Manchmal »faustdicke«. Etwa wenn sich auf einer winzigen Bühne jenseits verwinkelter Durchgänge ein Programm aus Lyrik, Prosa aller Art, Kabarett, Song, Schauspiel und Moderation auftut. Dort, wo mehr oder minder »unbeleckte« Künstler ganz unterschiedlichen Alters im Scheinwerferlicht stehen. Viele von ihnen haben nie veröffentlicht. Und allzu oft drängt sich die Frage auf: Warum eigentlich nicht?
Die »Literatur um 8« ist in Köln mittlerweile eine kleine Institution. Seit sechs Jahren gibt es sie, im ans Café Duddel angrenzenden Solana Theater, und jeden Donnerstag nach 20 Uhr entsteht dort aus dem Nichts ein kleines Programm mit hohem Unterhaltungswert. Nicht zuletzt durch die Moderation von Mitbegründer Gerd Buurmann (sprich: Bürmann!) und einiger Alteingesessener. Jeder kann lesen, der sich bis kurz vor Beginn anmeldet, Beschränkungen beschränken sich auf einen zeitlichen Rahmen von 10 Minuten. So ergibt sich jedes Mal ein Abend voller literarischer Überraschungen. Immer wieder treten Neulinge ins Rampenlicht, und andererseits sind aus dem Kreis der »Literatur um 8« auch schon Autoren hervorgegangen, die mit Verlagspublikationen einen festen Platz in der nationalen Literaturszene erobert haben.
Dieser Band ist eine kleine Reise durch die Welt der
»Literatur um 8« – und darüber hinaus. Diese Art Geschichten und Gedichte kann man dort und in anderen Literaturcafés
und -kneipen finden und erwarten, und nicht einmal die Vielseitigkeit dieser Anthologie ist konstruiert. Ein weiteres Mal zeigt sich hier der Beweis dafür, daß gute Literatur nicht nur auf großer Bühne und am Maßstab von Bestsellerlisten stattfindet, sondern an der Basis, also gerade dort, wo eine gewisse Naivität und Unverfälschtheit spürbar wird, die manchem in Verlagslektoraten in Bahnen gelenkten »Werk« abgeht.
Die Geschichten und Gedichte sind dabei so originell und »eigenwillig« wie ihre Autoren. So stehen die sprachwitzigen, hochgradig humorigen Verse eines Michael Schönen neben den lyrischen Gedankenschwangerschaften von Dirk Fischer, die eher filigranen Erzähl-Miniaturen von Adrienne Brehmer neben der poetisch-träumerischen Prosa eines Walid Alekozei, Julja Schneiders unterschwellig kritischer Sprachstil kunstvoller Naivität neben den satirischen Unterhaltungs-Attacken von Lothar Tolksdorf. Wenn dort der Kabarettist deutlich durchscheint oder der Humor bei Gerd Buurmann und Tristan Katzenellenbogen ins Bitter-Zynische bzw. Grotesk-Absurde ausufert – um so besser! Wobei die Frage, ob alte oder neue Rechtschreibung, woran sich die Geister scheiden, unterschiedlich beantwortet wird und man sich nicht wundern darf, wenn Tristan sich ganz bewußt noch Schreibweisen bedient, wie sie allenfalls zu Bismarcks Zeiten verbreitet waren.
Auch dies ein Stück dichterische Freiheit. Ein Stück Individualität. Kostbares Gut in einem literarischen Klima, das weit mehr als in vergangenen Jahrzehnten und Zeiten dem Durschnittlichen und Angepaßten förderlich ist. Denn ohnehin finden sich heute »Nachwuchs«-Autoren in bedenklichem Maße eingeengt, vom Vermarktungs-Korsett und den Mainstream-Strategien der Verlage, von der Schwemme der Belanglosigkeiten auf dem Buchmarkt. Von Alterserwartungen, wenn etwa bei Literaturwettbewerben allein der Verlust der Jugend den Anwärter disqualifiziert. Und vom Wahn einer allumfassenden Regulierbarkeit in Form einer aufdoktrinierten, bei weiten Teilen der Bevölkerung ungeliebten Rechtschreib-Reform, die ebensoviele Probleme aufwirft, wie sie aus der Welt zu schaffen sucht.
Warum also nicht gleich alle Reformen ignorieren? Und folglich: Warum eigentlich nicht auch mal ein Gedicht im Mittelhochdeutschen, wie zur Zeit Walthers von der Vogelweide?
So weit geht diese Anthologie Kölner Autor(inn)en allerdings noch nicht. Wohlgemerkt: noch nicht. Denn es soll ja schließlich nicht die letzte »Reinschrift« gewesen sein.



Coverbild: © Georg Raab

Herausgeber: Lucien Deprijck

Preis: 9,95€ (D)
ISBN-13: 978-3-938244-07-4
Maße: 135 x 215 (mm)
Seitenzahl: 162

Bestellung für 9,95€ (D) inklusive Versandkosten

Rückgabehinweis druckbar (.pdf)
AGB druckbar (.pdf)

Mit dem kostenlosen Adobe Acrobat Reader können die pdf Dateien geöffnet werden.

Datenschutz
Der van Aaken Verlag respektiert Ihre Daten. Wenn Sie innerhalb einer Bestellung Ihre persönlichen Daten angeben, so werden diese gemäß den datenschutzrechtlichen Bestimmungen zum angegebenen Zweck (z.B. Bestellmitteilungen) verwendet.

Sie können die gespeicherten Daten jederzeit unter Datenauskunft oder per Post an van Aaken Verlag und Versandbuchhandlung, Eisenstraße 41, D-50825 Köln erfragen.